Arbeitsamts-Chefin Angelika Berbuir informiert über den heimischen Arbeitsmarkt

„Im Vergleich zu 2011 ist die Beschäftigung in der Stadt Wetzlar mit einem Plus von 8,9 % auf ein aktuelles Hoch von 28691 Arbeitnehmern gestiegen. Trotz der sehr guten Beschäftigungssituation bieten die heimischen Betriebe noch über 2100 offene Stellen an. Die Zahl der Arbeitslosen lag Ende 2015 bei 2612 Personen“, das erklärte die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Limburg-Wetzlar, Angelika Berbuir, zur aktuellen Arbeitsmarktslage in Wetzlar. Eingeladen zu diesem Gesprächsabend im Tagungshaus „Blattform“ am Hörnsheimer Eck hatte die CDUStadtverordnetenfraktion.

„Viele Wetzlarer Bürgerinnen und Bürger beziehen Sozialhilfe, weil ihnen als Langzeitarbeitslose die finanzielle Grundlage fehlt, ihren Lebensunterhalt eigenständig zu bestreiten, Kosten die zu Lasten des städtischen Haushalts gehen“. Das sagte Michael Hundertmark, Stadtverordneter und Vorsitzender des Stadtverbandes der CDU, als er den Gast begrüßte. „Wir möchten von ihnen heute mehr über die aktuelle Situation auf dem Arbeitsmarkt erfahren auch in Hinblick auf die Integration der Flüchtlinge“.

Deutlich besser als im Kreisdurchschnitt (+5,9 %) war die Beschäftigungsentwicklung sowohl bei Männer, Frauen und Ausländern. Beschäftigungsverluste (Wetzlar 0,6%) gab es nur bei den unter 25-jährigen. Maßgeblich dafür waren neben der demografischen Entwicklung, ein verändertes Bildungsniveau und die räumliche Migration.

Ein- und Auspendler in Wetzlar: Von den in 28691 in Wetzlar Beschäftigten pendeln 20091 Arbeitskräfte ein. Von den 18026 in Wetzlar wohnenden pendeln täglich 9426 aus. Dabei ist die Zahl bei den Auspendlern (+9,7 %) in den letzten Jahren deutlicher gestiegen als bei den Einpendlern (+7,8 %) Letztlich ein Verlust an Arbeitskräften für Wetzlar.

Während sich die Beschäftigungsentwicklung in der Stadt Wetzlar positiv vom LDK abhebt, ist es bei der Entwicklung der Arbeitslosigkeit eher umgekehrt. In Wetzlar stieg die Arbeitslosigkeit seit 2011 um 4% während sie im Kreis um 1,6% abnahm. Am deutlichsten treten die Unterschiede bei den Langzeitarbeitslosen (WZ +32,7-LDK +10,1) zutage. Dies ist aber kein Wetzlarer Phänomen, sondern in allen Städten zu beobachten. Von den 2612 Arbeitslosen in Wetzlar beträgt der SGB II Anteil 2055 Personen (82,5%), sie erhalten Arbeitslosengeld (Harz IV) und werden vom Jobcenter betreut, der sich seit 2012 in alleiniger Trägerschaft des LDK befindet. Insgesamt betreut diese Einrichtung 7578 Arbeitslose, die länger als ein Jahr ohne Beschäftigung sind.

Der Ausbildungsmarkt im LDK im März 2016 stehen den 1595 Bewerbern 1159 Stellen gegenüber, damit hat sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage gegenüber dem Vorjahr nicht wesentlich verändert.

In der Stadt Wetzlar waren im März 2016 215 Menschen aus Asylherkunftsländern arbeitslos gemeldet. Ein Anstieg von 16,2% gegenüber dem Vorjahr. Davon werden sechs von der Arbeitsagentur betreut. 209 vom Jobcenter. Die meisten arbeitslosen Flüchtlinge kommen aus Syrien und den Balkanstaaten. Im November/Dezember 2015 hat die Arbeitsagentur Limburg-Wetzlar im LDK 1100 Flüchtlinge in Einstiegssprachkursen gefördert. „Ein Modell, das leider ausgelaufen ist, aber die Nachfrage ist noch immer groß“ bedauert Angelika Berbuir, die auch deutlich machte, dass dieser Personenkreis nicht unsere Sozialversicherungssysteme, sondern Beschäftigung suchen. Nach der Präsentation der Daten und Fakten hatten die Besucher an den Gast aus Limburg viele Fragen.

„Von 100 Arbeitslosen kommen innerhalb eines Jahres rund 50 Prozent wieder in Arbeit, der Rest bekommt Harz IV und wird durch andere Maßnahmen gefördert, dies gilt auch für über 55jährige, die, wie alle Arbeitslosen, von unserer Agentur intensiv beraten und gefördert werden. Dazu sind ausreichend finanzielle Mittel vorhanden.

„Es ist doch schlimm, da hat man 40 Jahre gearbeitet und in die Sozialkassen gezahlt und muss nach nur einem Jahr Arbeitslosigkeit von Harz IV leben“, so ein Teilnehmer auf die Auskunft der Arbeitsagentur-Chefin.

Ja, bei Langzeit-Arbeitslosen ist eine Wiedereingliederung sehr schwierig, aber die örtlichen Job-Center bieten eine Vielzahl von Maßnahmen an, um eine schrittweise Eingliederung zu erreichen. „Aber viele Langzeitarbeitslose haben sich sehr gut an ihre Harz IV-Situation und die finanzielle Unterstützung durch die Allgemeinheit gewöhnt und versuchen mit allen Mitteln eine dauerhafte Wiedereingliederung zu verhindern“, meinten mehrere Besucher. Rund 35 Prozent der Flüchtlinge sind 30 Jahre und jünger. „Viele haben eine Ausbildung, die aber nicht der deutschen Qualifikation entspricht, hier müssen wir dringend nachschulen. Aber viel wichtiger sind die Sprachund Integrationskurse, sie müssen dringend ausgebaut werden zumal die Nachfrage riesig groß ist“ betonte Frau Berbuir.

Auf die vielgehörte Sorge, dass deutsche Arbeitnehmer wegen der Flüchtlinge ihren Arbeitsplatz verlieren werden, sei völlig unbegründet. „Wir benötigen schon heute junge qualifizierte Arbeitskräfte, wenn wir unseren wirtschaftlichen Standard trotz des demografischen Wandels dauerhaft halten wollen. Daher sollte uns jeder anerkannte und integriert Flüchtling willkommen sein.